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An dieser Stelle möchte ich kurz beschreiben, wo meine Wurzeln im Taekwondo liegen und wie ich mich zu dem entwickelt habe, der ich heute bin. Keine Angst, es soll hier keine Selbstbeweihräucherung stattfinden! Ich habe mich zu dieser Beschreibung entschlossen, weil es mich persönlich schon immer interessiert hat, welche Geschichten die Persönlichkeiten haben, die man im Lauf der Zeit immer mal wieder trifft.

Der Anfang
Zum Taekwondo bin ich gekommen wie die meisten von uns, nämlich um Selbstverteidigung zu lernen. Da ich als 18jähriger schon um ein Haar mal in eine Schlägerei geraten wäre und dabei ziemlich hilflos war, musste ich feststellen, dass es eigentlich jeden überall treffen kann. Ich habe mir dann eine Vorführung des Black Belt Centers (Kwon Jae Hwa) in Rosenheim angesehen und war ganz fasziniert von dem martialischen Auftreten der Akteure, denen offensichtlich nichts und niemand etwas anhaben konnte. Am meisten beeindruckt haben mich damals natürlich die Bruchtests und so keimte der Gedanke in mir auf: "das möchte ich auch können".

Bei uns im Ort gibt es auch eine Karate-Abteilung. Nachdem ich allerdings ein Training dort beobachtet hatte und feststellen musste, dass die Schüler ungefähr 200 Liegestütz an diesem Abend bemacht haben, war mein Interesse daran doch etwas gedämpft.
Von einem Schulfreund wusste ich, dass er auch "so etwas" macht und ich habe ihn gebeten, mich einmal zum Taekwondo mit zunehmen. Auch hier habe ich zuerst zugesehen und mich dann spontan entschlossen mit dem Training beim SV DJK Kolbermoor zu beginnen. Als böse Überraschung musste ich spüren, dass mir am nächsten Tag der gesamte Körper weh getan hat und ich mich kaum noch rühren konnte!
Aber das Training machte Spaß, und so gingen die ersten Jahre dahin. Schon damals gab es um Franz Bartl eine kleine Gruppe von 4-5 Leuten, die Formen gelaufen sind. Man hat auch ab und zu immer wieder von diversen Erfolgen gehört, aber ich konnte mir nicht wirklich vorstellen, was da auf diesen Meisterschaften passiert. Obwohl, toll ausgesehen hat das schon, was die so gemacht haben...
1992 begann ich dann selbst aktiv mit dem Formenlaufen auf den Hyong/Poomsaemeisterschaften. Als 1. Kup unter lauter Schwarzgürteln bei den Herren war ich natürlich chancenlos, aber in der damals neu geschaffenen Paarlaufklasse wurde ich mit meiner Partnerin auf Anhieb dritter auf der Bayerischen und war damit für die Deutsche Meisterschaft qualifiziert.

Synchronlauf
Jetzt war mein Interesse vollends erwacht und im Winter 93/94 sind wir (damals noch Franz Bartl, Georg Loferer und ich) dann aus einer Laune heraus auf die Idee gekommen, Synchron zu laufen. In unserem ersten Jahr konnten wir den Alpenpokal in Innsbruck und die bayerische Meisterschaft gewinnen, sowie auf der IDM in Kiel nur knapp geschlagen den vierten Platz erreichen. 1995 wurden wir dann vom damaligen DTU-Vizepräsidenten Roland Klein zu unserem ersten DTU-Kaderlehrgang eingeladen. Seit dieser Zeit habe ich unzählige Turniere im In- und Ausland bestritten und der Höhepunkt meiner "Karriere" war sicherlich der Gewinn des Europameistertitels 1999 in Kolding gegen die hochfavorisierten Dänen. Am beeindruckendsten war aber der Besuch der Chunchon Open in Korea. Nicht nur die total andersartige Kultur der Asiaten sondern auch das "ungewohnte" Verständnis der Koreaner für Taekwondo im allgemeinen und für Poomsae im speziellen haben einen tiefen Eindruck bei mir hinterlassen.

Trainerausbildung
Parallel zu meiner sportlichen Entwicklung habe ich aber auch schon immer das Interesse gehabt zu verstehen, wie man Training gestaltet und durchführt (gezwungenermaßen durch die Übernahme von Trainingsgruppen in unserer Abteilung...).
Daher habe ich 1994 bei unserem damaligen Lehrwart Gerd Kohlhofer die Fach-Übungsleiterlizenz erworben (übrigens zusammen mit Wilfried Pixner). Jetzt war zumindest mal ansatzweise das Verständnis dafür da, warum man gewisse Dinge im Training so tut und nicht anders. Im darauffolgenden Jahr habe ich dann auch gleich noch die Trainer B-Lizenz absolviert. Als es dann auf meine erste Europameisterschaft 1997 in Antalya zuging, habe ich mir Gedanken darüber gemacht, wie man sich im Formenbereich eigentlich umfassend und sinnvoll auf solch ein großes Turnier vorbereitet.
Im Vollkontakt gab es ja bereits Trainingspläne, aber die waren irgendwie nicht passend für den Formenbereich. Also habe ich bei anderen Sportarten wie Synchronschwimmen (!) oder Karate nachgefragt, um herauszufinden, was denn die so machen...
Diese Nachforschungen waren dann der eigentliche Startschuss für meine weitere Entwicklung im Trainerbereich, da ich zu dieser Zeit sehr viel Material gesammelt und verarbeitet habe. Herausgekommen ist dabei eine Trainingskonzeption für das Poomsaetraining auf Wettkampfebene.
Auch im Verein habe ich bereits einige Erfahrungen mit Formentraining für Schüler und Jugendliche sammeln können und so hat mich unser damaliger Formenreferent Franz Bartl immer wieder zu seinen Kaderlehrgängen mitgenommen, um ihn in seiner Arbeit zu unterstützen.

Landestrainer
In die Position des Landestrainers bin ich also so nach und nach hineingerutscht und der endgültige Auslöser war dann die Entscheidung von Franz Bartl, den Posten, den er so viele Jahre in Bayern erfolgreich bekleidet hat, aufzugeben um sich wieder mehr den persönlichen Dingen zu widmen.
Ich habe in den Monaten und Jahren zuvor immer wieder seinen Wunsch nach diesem Wechsel abgelehnt, da ich mir nicht vorstellen konnte, ihn mit seinem Wissen, seiner Erfahrung und seinem Charisma ersetzen zu können. In der Zwischenzeit habe ich allerdings begriffen, dass es nicht darum geht, jemanden zu kopieren und zu ersetzen, sondern vielmehr eigene Wege zu gehen.