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Westenkampf

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Der sportliche Westenkampf (Kyorugi) stellt die wohl bekannteste Disziplin des WTF-Taekwondo dar. Mit der Aufnahme dieser Disziplin in die Reihe der olympischen Sportarten ist wohl ein Höhepunkt in der Entwicklung des Wettkampfes erreicht worden. Auffälligstes Merkmal ist die sehr starke Betonung der verschiedenen Fußkombinationen. Der Wettkampf besticht durch Schnelligkeit, Explosivität sowie einer gewissen Athletik und Artistik bei den Beintechniken.

Entwicklung:

Nach Gründung der WTF im Jahre 1973 ist von dieser der Wettkampfbereich massiv gefördert und ausgebaut worden. Schon im selben Jahr fanden die ersten Weltmeisterschaften statt, damals allerdings ausschließlich für Männer.
Nicht zuletzt durch die Doppelfunktion von Dr. Un Yong Kim als WTF-Präsident sowie Mitglied des IOC und dem daraus resultierenden Einfluss wurde 1988 und 1992 Taekwondo als olympische Vorführdisziplin anerkannt und damit der Weg zur offiziellen olympischen Sportart geebnet. Im Jahre 2000 bei den Spielen in Sydney (Australien) wurden dann zum ersten Male olympische Medaillen in dieser Sportart vergeben.

Regeln:

Im Laufe der Jahre haben massive Änderungen der Regeln stattgefunden um eine Entwicklung des Taekwondo weg vom Schlägerimage hin zu einer sauberen, fairen und publikumswirksamen Sportart zu bewirken. Der Wettkampf im Taekwondo wird im sogenannten "Vollkontakt"-Modus durchgeführt, d.h. dass Wirkungstreffer ausdrücklich erlaubt, ja sogar gewünscht sind und dass zum zweiten ohne Unterbrechung nach einem Punkt "durchgekämpft" wird. Dass dennoch relativ wenig schwere Verletzungen passieren liegt zum einen an der Schutzausrüstung, die die beiden Kontrahenten tragen und zum anderen aber auch am Ausschluss gefährlicher Techniken durch das Regelwerk. Die Mehrzahl der Kämpfe werden durch Punkteüberlegenheit und nicht durch die Wirkung der Treffer (K.O., Verletzung) entschieden. Damit ist die Bezeichnung "Vollkontakt" für den unbedarften Laien wohl eher irreführend.
Bedingt durch die Regeln und die Praxis der Punktevergabe werden die Kämpfe leider sehr häufig durch intensives "Taktieren" sprich Herumstehen bestimmt, was nicht gerade zur Publikumswirksamkeit beiträgt. Aber auch hier laufen bereits Versuche mit angepassten Regeln.

Anforderungsprofil:

Der Wettkampf stellt im Prinzip sehr komplexe Anforderungen:
  • Schnelligkeit
  • Ausdauer
  • Athletik
  • Technikvielfalt
  • Antizipationsfähigkeit
  • Reaktionsvermögen
  • Durchhalte- und Erfolgswille
  • taktische Fähigkeiten

Folgen der Entwicklung:

Durch die starke Verbreitung des Westenkampfes sowie die Anerkennung als olympische Disziplin haben im Taekwondo immer stärker wissenschaftliche Trainingsmethoden Einzug gehalten. Die Leistungsdichte ist dadurch in diesem Bereich sehr stark angewachsen was zur Folge hat, dass auch die Sportler immer professioneller trainieren müssen, um mit der Spitze mithalten zu können. Obwohl der Westenkampf gerade in Breite eine hohe Attraktivität auf die Sportler ausübt sind es doch nur wenige, die national und international entsprechendes Niveau aufweisen.

Kritische Anmerkungen:

Durch die wachsende finanzielle Förderung und den dadurch immer stärker gewordenen Fokus auf den Wettkampf sind die anderen Bereiche des Taekwondo in zunehmenden Maße immer stärker in den Hintergrund gedrängt worden. Manche Vereine trainieren sogar über 90% ihrer Zeit ausschließlich den Wettkampf während die anderen Disziplinen nur noch für Gürtelprüfungen Beachtung finden. Viele Sportler verstehen auch nicht mehr, wozu man z.B. Formen oder Einschrittkampf benötigt und empfinden diese Teilbereiche als unnötigen Ballast in ihrem Trainingsalltag. Bedingt durch das Regelwerk ist eine sehr starke Versportlichung des Wettkampfes erfolgt, der dadurch nur noch wenig mit den anderen Bereichen gemeinsam hat. Böse Zungen sprechen sogar schon von koreanischem Kickboxen ohne Fausteinsatz wobei die Technikvielfalt ebenfalls stark abnimmt. Durch die Elimination von gefährlichen Techniken wie Faustangriff zum Kopf, Lowkicks, Kniestössen oder Würfen ist der Wettkampf inzwischen nur noch sehr wenig realitätsnah und fördert Verhaltensmuster, die im Selbstverteidigungsfall u.U. verheerend sein können.
Der Westenkampf ist ein Bereich des Taekwondo aber längst nicht der einzigste! Wer Taekwondo darauf reduziert, der betreibt keine Kampfkunst mehr sondern nur noch Kampfsport.