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Distanzen

Eine reale Auseinandersetzung kann - muss aber nicht! - sich über folgend beschriebene Distanzen erstrecken. Wichtig ist es diese Distanzen zu kennen und zu wissen welche Gefährdungen, aber auch welche Möglichkeiten sich aus den verschiedenen Abständen zum Gegner ergeben.

Neutraldistanz

Keiner der beiden Gegner ist in der Lage den anderen unmittelbar mit einer Technik zu erreichen. In dieser Situation sind es vor allem psychische Mittel die zum Einsatz kommen: Der Aggressor versucht zu provozieren und redet sich in Rage während der Verteidiger hier noch die Möglichkeit hat über ein deeskalierendes Verhalten die drohende Gefahrensituation abzuwenden. In dieser "Vorkampfphase" kommt es vor allem auf das psychologische Geschick des Verteidigers an die Situation zu entspannen.

Lange Distanz

Ohne weitere Vorbereitung können Tritte ausgeführt werden bzw. eine Waffe zum Einsatz gebracht werden. Hier gilt es für den Verteidiger bereits wachsam und positioniert zu sein um nicht überrascht zu werden.

Mittlere Distanz

Dies ist die bevorzugte Entfernung zum Einsatz von Faustangriffen oder Schwingern. Deren kurze Ausführungsgeschwindigkeit und Variabilität machen es extrem schwierig sich hier wirkungsvoll zu verteidigen. Daher muss der Verteidiger bereit sein die Distanz je nach Aktion entweder zu verkürzen oder auch zu verlängern.

Kurze Distanz

Die Gegner stehen sehr nah beieinander und haben bereits Körperkontakt. Eine optische Kontrolle ist weitgehend unmöglich, hier muss man sich eher auf die taktilen Reize verlassen. Zum Einsatz kommen Knie- und Ellenbogentechniken, kurze Haken, auch Greif- und Wurftechniken sind möglich.

Bodenkampf

Bedingt durch den Gleichgewichtsverlust eines oder beider Kontrahenten verlagern sich viele Auseinandersetzungen relativ rasch auf den Boden. Dies ist einerseits für den Verteidiger nicht erstrebenswert, da die Bewegungs- und Reaktionsfreiheit dort deutlich eingeschränkt ist. Andererseits lässt es sich im Sinne einer ganzheitlichen Verteidigungsfähigkeit nicht umgehen sich mit den Prinzipien des Bodenkampfes zu beschäftigen.

Schlußfolgerungen

Gerade der Vorkampfsituation kommt eine enorme Bedeutung zu, da hier noch die Möglichkeit besteht die Sache friedlich zu regeln. Doch gerade die typischen Rituale von Angreifern und die kluge Reaktion darauf werden in den klassischen Kampfkünsten leider viel zu wenig bis gar nicht geübt. Daher werden Viele zu Opfern weil sie sich unversehens bereits im Kampf befinden ohne dass sie sich geistig wie körperlich darauf hätten einstellen können.
Ist man in der Lage eine Bewertung der Gefährdung vorzunehmen muss man sich darüber im klaren sein, dass es einen "point of no return" gibt. Mit anderen Worten, der Aggressor kommt soweit heran, dass es für ihn ohne weiteres möglich wäre einen überraschenden Angriff zu starten. In diesem Moment muss man bereit sein einen Präventivangriff durchzuführen um nicht selbst in die passive Rolle zu geraten. Im Wing Tsun spricht man auch von einer "magnetic zone", bei welcher der in diese Zone "eindringende" Angreifer kompromisslos bekämpft wird.

Bewertung verschiedener Kampfkünste

Höller nimmt eine Bewertung von verschiedenen Kampfkünsten hinsichtlich ihrer Stärken und Schwächen in den verschiedenen Distanzen vor:

Kampfstil
Neutraldistanz Lange Distanz Mittlere Distanz
Kurze Distanz
Bodenkampf
Taekwondo
- ++ + - -
Karate
- ++ + + -
Judo
- - - +++ +++
Aikido
- + ++ + +
Jiu-Jitsu - + ++ ++ ++
Muay Thai
- + ++ +++ -
Wing Tsun ++++ +++ +++ ++ +++
Ringen
- + - +++ ++
Boxen
- - +++ ++ -
Kickboxen - - +++ + -

Auch wenn man sich darüber vortrefflich streiten kann ob man das eine Kreuz mehr oder weniger hätte vergeben müssen, so zeigt diese Matrix dennoch die tendenziellen Stärken und Schwächen der einzelnen Kampfkünste auf. Wer ernsthaft an seiner Wehrfähgkeit interessiert ist, kommt nicht darum herum die Defizite, die seine Kampfkunst aufweist, durch weitergehende Trainingsmaßnahmen auszugleichen.